Rechtslage in Deutschland

Am 15. November 1994 trat in Deutschland das verfassungsrechtliche Verbot der Benachteiligung wegen einer Behinderung in Kraft. 2002 wurde ein Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen erlassen. Im Februar 2009 ratifizierte Deutschland als vorerst letzter gesetzgeberischer Meilenstein das internationale Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung.

Erlasse

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Gesetze der Bundesrepublik Deutschland. Aufgrund der dreizehn Bundesländer verfügt Deutschland zusätzlich eine kaum überblickbare Anzahl weiterer spezifischer Gesetze.

 


Für weitere Gesetze und detaillierte Informationen zu spezifischen Bundesländern, wenden Sie sich an die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Rechtsprechung

Ausschluss einer blinden Person vom Schöffenamt (Entscheid des Bundesverfassungsgerichts von 2004): Einem sehbehinderten Mann wurde das Schöffenamt (Geschworener) verweigert mit der Begründung, er sei wegen seiner Behinderung nicht geeignet, das Amt wahrzunehmen. Das Bundesverfassungsgericht erkennt darin keine Diskriminierung.
Testierausschluss einer taubstummen Person (Entscheid des Bundesverfassungsgerichts von 1999): Eine Frau focht das Testament ihres taubstummen Vaters an. Das Bundesverfassungsgericht kommt zum Schluss, dass der pauschale Ausschluss schreibunfähiger Stummer von jeder Testiermöglichkeit eine unverhältnismässige Beschränkung der verfassungsrechtliche Erbrechtsgarantie darstelle.
Integrative Beschulung (Entscheid des Bundesverfassungsgerichts von 1996): Ein Mädchen mit einer schweren Mehrfachkörperbehinderung wird während des fünften Schuljahres aufgrund eines Gutachtens in eine Sonderschule für Körperbehinderung überwiesen. Das Bundesverfassungsgericht äussert sich zum ersten Mal auf fundierte Art und Weise zur Frage der integrativen Beschulung.
Integrative Beschulung eines Kindes mit Down-Syndrom (Entscheid des Verwaltungsgerichts Köln von 2007): In Köln wurde ein 7-jähriges Mädchen mit Down-Syndrom von der Schulbehörde entgegen dem Willen der Eltern der "Förderschule geistige Entwicklung" zugewiesen. Das Verwaltungsgericht Köln äussert sich zu den rechtlichen Grundsätzen und weist den Fall zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurück.

Rechtsprechungsübersicht zum Antidiskriminierungsrecht

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellt eine Übersicht über ausgewählte Entscheide deutscher Gerichte zum Antidiskriminierungsrecht zur Verfügung. Die Urteile zu Benachteiligungen wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters und der sexuellen Identität sollen einen Überblick über die Entwicklung der Rechtsprechung geben.

Betroffene sowie Beraterinnen und Berater sollen mit Hilfe dieser Zusammenstellung Fallkonstellationen wieder finden und somit noch besser gegen Diskriminierungen vorgehen können.

 

Link zur Publikation

Hintergrundinformationen

Für eine Vertiefung der Kenntnisse zur Rechtslage in Deutschland gibt es zahlreiche interessante Broschüren, Monographien und Internet-Links. Ein paar ausgewählte Beiträge sind hier zusammengestellt. Zusätzlich raten wir Ihnen, auch nach neuen Urteilen des Bundesverfassungsgerichts zu suchen.

 


Urteile des Bundesverfassungsgerichts: Hier finden Sie eine ausgewählte Zusammenstellung der Urteile des Bundesverfassungsgerichts durch die Universität Bern.

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