Fälle aus der Praxis zum Thema Bau

Égalité Handicap behandelt vergleichsweise wenig Fälle im Bereich Bau. Dies hängt massgeblich damit zusammen, dass in jedem Kanton spezialisierte kantonale Bauberatungsstellen des Behindertenwesens zur Verfügung stehen, die Baubewilligungsverfahren aus einem unabhängigen Blickwinkel begutachten. In den ersten fünf Jahren seit Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes haben diese insgesamt 16'083 Fälle behandelt. Die Fachstelle Égalité Handicap steht in einzelnen Fälle rechtsberatend und unterstützend zur Verfügung.

Die folgenden Beispiele aus der Beratungspraxis von der Fachstelle Égalité Handicap geben Ihnen einen Einblick in die Problemfelder, mit denen Menschen mit Behinderung konfrontiert sind und wie den Betroffenen geholfen werden kann.

Beispiel 1 - Ästhetik vor Zugänglichkeit:

Die Invalidenversicherung ist bereit, die Kosten für einen Aufzug zu übernehmen, damit ein junger Psychologiestudent im Rollstuhl sein Praktikum absolvieren kann. Der Eigentümer des Gebäudes möchte für die "ästhetische Einbusse" finanziell entschädigt werden...

Beispiel 2 - Restaurant ohne zugängliches WC:

Frau Müller (Name geändert) besucht ein kürzlich eröffnetes Restaurant. Mit ihrem Elektrorollstuhl kann sie problemlos in den Speisesaal gelangen. Doch als sie aufs WC gehen möchte, muss sie feststellen, dass dieses nicht zugänglich ist...

Beispiel 3 - Gaststätte nach Umbau nicht mehr zugänglich:

Herr Bourdon (Name geändert) ist Stammgast einer Gaststätte seines Wohnortes. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub erwartet ihn eine böse Überraschung. Der neu umgebaute Haupteingang erfolgt nun über eine 15 Zentimeter hohe Stufe...

Beispiel 4 - Uferweg mit starker Steigung:

Ein geplanter Uferweg entlang eines Flusses ist für Menschen im Rollstuhl nicht zugänglich. Er weist Steigungen von über 15% sowie an verschiedenen Orten Treppenstufen auf. Ausserdem wurden keine Massnahmen für Menschen mit Sehbehinderung getroffen...

Beispiel 5 - Privatschule fühlt sich nicht verpflichtet:

Die Mutter eines in einem privaten Internat eingeschulten Studenten sorgt sich um die Zugänglichkeit der neuen Baute. Der Leiter des Internats behauptet, als Privatschule hätten sie keine Verpflichtungen, die Schule zugänglich zu machen...

Beispiel 6 - Regierung verweigert Kredit für Aufzug in Schule:

In einer kleinen Gemeinde ist die Renovation einer Schule vorgesehen. Die Regierung stellt die Installation eines Lifts in Frage. Erst dank der Intervention einer engagierten Politikerin stimmt die Regierung der Finanzierung doch noch zu...

Beispiel 7 - Warenhaus vergisst Blinde:

Ein grosses Berner Warenhaus unterzieht sich einer Totalerneuerung. Trotz Intervention einer Frau mit Sehbehinderung gibt es in den modernen Liften anfänglich weder eine taktile Beschriftung der Stockwerkanzeigen noch eine Stockwerkansage per Lautsprecher...

Beispiel 8 - Keine Rampe wegen Verkehrssicherheit:

Ein Apotheker möchte seiner Lernenden im Rollstuhl den Zugang zum Geschäft mit einer Rampe ermöglichen. Das Baugesuch wird aus Sicherheitsüberlegungen abgelehnt und darauf hingewiesen, dass der rollstuhlgängige Zugang bei einem Nebeneingang gewährleistet werden könne...

Beispiel 9 - Behindertengerechtes WC in Restaurant:

Obwohl das Baubewilligungsverfahren bereits abgeschlossen war, willigte ein Gstaader Restaurant ein, Anpassungen an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung vorzunehmen...

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